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11 | Kontinent der Medien

11.1 Medien – Chancen und Gefahren

Lesezeit: ca. 11 Minuten
Überblick
Medienkompetenz - mehr als nur Knöpfe drücken

Kinder wachsen in eine digitale Welt hinein. Vernetzung wird für Kinder nichts Ungewöhnliches sein, sie werden bereits in der Schule darüber in Kenntnis gesetzt, was moderne Medien leisten können. Doch sollten Kinder weitaus früher verstehen, welche Chancen und Gefahren z. B. im Internet lauern können, dass nicht alles, was wir dort finden, immer der Wahrheit entsprechen muss, und dass nicht alle Menschen einer Meinung sind. Das Internet ist ein Raum voller Kreativität, doch würde man auch heute noch keinem Kind empfehlen, sich alleine in diesen Dschungel zu begeben. Es ist wichtig, dass Kinder in einer Zeit, in der sie sich auf ihren Entwicklungs- und Verstehenstreppen befinden, ihre Eltern an der Seite haben. Denn im Umgang mit Medien gibt es einiges zu verstehen – Fähigkeiten, die wir als Medienkompetenzen bezeichnen werden.

Ein Einstieg in die Medienwelt

Viel mehr als ein generelles Medienverbot bedarf es eines altersgerechten Einstiegs und des gemeinsamen Entwickelns von verschiedenen Medienkompetenzen. Dabei sollten Kinder stets begleitet werden, und Medienerziehung heißt auch, die Verantwortung für die verfügbare Zeit vor den unterschiedlichen Medien zu regeln (hierzu später mehr).

Medien sind in der Kindheit nicht per se verboten. Sie bieten tolle Lerninhalte, Spielmöglichkeiten und haben bereits einen prägenden Einfluss auf den Alltag von Eltern und Kindern. Auch Eltern haben über viele Jahre erlernt und verstanden, welche Chancen und Gefahren sich aus der Dauernutzung von Computer und Smartphone ergeben. Vor allem in Hinblick auf Kinder müssen wir erkennen, dass Medienkompetenz zu einem neuen „Erziehungsfeld“ heranwächst und Kinder Unterstützung und Begleitung benötigen, um sich in der digitalen Welt zurechtzufinden.

Kinder und Medien

Medien sind fester Bestandteil des Alltags geworden. Auch Kinder zeigen bereits sehr früh ein großes Interesse an ihnen. Wie man beeindruckt beobachten kann, lernen Kinder im Kindergartenalter den Umgang mit Tablet und Smartphone in rasanter Geschwindigkeit. Mit allergrößter Selbstverständlichkeit benutzen sie Programme zum Malen und bedienen die Geräte problemlos über das Display. Doch ein Verständnis über die Bedienung ist noch keine Klarheit über die Wirkung einiger Medieneinflüsse.  Denn Medieninhalte können das Denken beeinflussen und das Handeln verändern. Medieninhalte für Kinder sollten demnach generell werbefrei sein. Dieses Verständnis tragen Eltern für ihre Kinder eine ganz Zeit lang mit, während sie diese vorbereiten auf die eigenständige Nutzung verschiedener Medieninhalte und eigener Geräte.

Ein rasches Lernen ist Bestandteil der ersten Lebensjahre, und nicht alles, was Kinder mit den Fingern beherrschen (wie die Navigation im Smartphone), führt dazu, dass sie auch die Gefahren einschätzen können, die damit einhergehen. In keinem Zeitabschnitt des Lebens lernen Kinder so rasant wie in der Kindergartenzeit. Doch müssen auch Kindergartenkinder noch lernen, wie das Gesehene und Erlebte einzuordnen ist. Nicht alle Medieninhalte können Kinder in dieser Hinsicht berücksichtigen. Zur Medienerziehung gehört auch, das eigene Kind vor einer Überforderung durch Medien zu schützen und vielfältige Möglichkeiten bereitzustellen, sich mit anderen Dingen zu beschäftigen.

Dazu kommt die Sorge vieler Eltern, die wissen, dass Medien unser Verhalten beeinflussen können, die Art und Weise, wie wir unsere Freizeit gestalten oder wie wir mit anderen Interessen außerhalb der Mediennutzung umgehen. Kinder in ihrer Entwicklung brauchen vielfältige Bewegungserfahrungen und eine Erfahrungswelt in der Realität. Die Medienwelt kann keine selbstwirksamen Erfahrungen ersetzen, die in der Kindheit Bestandteil einer gesunden Entwicklung sind. Kinder müssen mit den Händen greifen, mit den Augen Gegenstände erforschen, mit den Beinen rennen und mit dem Körper balancieren – all diese Fähigkeiten können Medien nur bedingt darstellen. Ein verantwortungsvoller Umgang muss vorgelebt und vermittelt werden, sodass Eltern und Kinder sich in einem Gleichgewicht zweier Welten bewegen, der digitalen Welt und unserer realen Welt, dort, wo wir mit allen Sinnen die Welt verstehen.

fakt aus der forschung

Mama, Papa – ich mag es nicht, wenn ihr zu lange am Handy seid.

Wer hat das herausgefunden: Brandon McDaniel, Professor für Familien- und Verbraucherleistungen, und Jenny Radesky, Ärztin und Professorin für Pädiatrie an der Universität Michigan.
Warum das wichtig ist: Eine wachsende Anzahl von Studien zeigt, dass das andauernde Starren auf Bildschirme sowohl für Erwachsene als auch für Kinder ausgesprochen schädlich ist, aber McDaniel und Radesky gelang es nun in ihrer Studie, das schlechtes Verhalten von Kindern direkt auf die Smartphone-Nutzungsgewohnheiten ihrer Eltern zurückzuführen.

Aus Testszenarien mit über 200 Familien schlussfolgerten die Forscher, dass Kinder, deren Eltern das familiäre Beisammensein regelmäßig mit dem Tippen von Nachrichten oder dem Checken von Mails unterbrechen, stärker zu Überempfindlichkeitssyndromen, Wutanfällen, Hyperaktivität oder Quengeln neigen. Was das für Eltern bedeutet: Kinder, die sich gezwungen sehen, mit den Smartphones ihrer Eltern um Aufmerksamkeit zu konkurrieren, versuchen durch schlechtes Benehmen auf sich aufmerksam zu machen.

Quelle: https://srcd.onlinelibrary.wiley.com/doi/full/10.1111/cdev.12822

Medienerziehung

Mit Medien umzugehen lernen, ist ein Prozess, der sich über viele Jahre hinweg entwickelt. Ein solcher Lernprozess muss in einzelne Schritte unterteilt sein und darf nicht in der direkten Verantwortungsübergabe an Kinder geschehen. Ob aus dem Fernsehen oder Computer – alles, was sich dort finden lässt, trifft ungefiltert auf Kinder ein. Ein Schutz für Kinder muss durch die Eltern eingeräumt werden, denn nicht alle Medieninhalte sind gleich wertvoll. Wenn Kinder durch Apps Lust und Freude am Sprechen, Zeichnen, Ausdrucken oder Beschriften finden, ist dies nicht zwangsläufig schlecht. Im Gegenteil, wenn Kinder im Kindergartenalter mit Begeisterung an Wissens- und Lerninhalte herantreten, kann dies durchaus positiv die kognitive Entwicklung bereichern. Deshalb ist es wichtig, dass Online-Programme oder Apps kindgerecht gestaltet und unbedingt frei von Werbung sind. Hier können Sie auf verschiedene Siegel achten, die Ihnen eine solche Sicherheit gewährleisten. Die Datenbank des Deutschen Jugendinstituts hat bereits einen solchen pädagogischen Wegweiser bereitgestellt. Mehr als 400 Apps für Kids haben die Medienpädagogen getestet und mit einem Bewertungssystem von „sehr empfehlenswert“ bis „nicht empfehlenswert“ versehen.

Den direkten Link dorthin finden Sie hier: https://www.dji.de/ueber-uns/projekte/projekte/apps-fuer-kinder-angebote-und-trendanalysen/datenbank-apps-fuer-kinder.html

Sie können dort zwischen verschiedenen „Genres“ wechseln und die einzelnen Bewertungen direkt nachlesen. Das Tolle hierbei ist das vorgegebene Mindestalter, das Eltern die Alterseinstufung erleichtert.

Internetnutzung für Kinder

Um das Internet selbständig nutzen zu können, benötigen Kinder Lese- und Schreibfähigkeiten (die sich meist erst im 6.-7. Lebensjahr entwickeln), und selbst dann können Kinder die Risiken noch nicht vollständig einordnen. Damit Kinder beispielsweise am Tablet selbständig handeln können, beispielsweise durch eigenständiges Malen in einer App, Spielen oder Geräusche-Erraten, muss das Tablet kindgerecht sein. Internetangebote und Apps müssen also kinderleicht bedienbar sein und sollten kindersicher sein. Mehr über kindgerechte Webseiten finden Sie im Land Medien und Lernen und am Ende dieses Kapitels. Je nach Alter kommen in späteren Jahren – dann, wenn das Kind die erste selbständige Internetzeit erhält – eine wichtige Komponente hinzu, wie eine mögliche Filtersoftware auf dem Computer. Ein solcher Filter wäre beispielsweise der vom Jugendschutzprogramm.de, welches von JusProg Verein zur Förderung des Kinder- und Jugendschutzes in den Telemedien e.V. betrieben wird.

Dabei stellt sich natürlich die zentrale Frage, welche Medien überhaupt für Kinder geeignet sind und wie viel Zeit Kinder generell vor welchen Medien verbringen sollten.
Folgende Richtwerte können eine Anleitung bieten, sind jedoch je nach Familie, Affinität und Vorstellungen unterschiedlich zu bewerten.

Selbst im Alter von 13-14 Jahren können Heranwachsende noch keine vollständige Medienkompetenz aufweisen. Diese entwickelt sich bis ins Erwachsenenalter hinein. Medienerziehung heißt auch, die Nutzungszeiten zu definieren, und bedeutet ebenfalls, dass Eltern die Inhalte auswählen (Bilderbücher, bestimmte Sendungen, Spiele oder Apps). Eine Vorgabe der Nutzungszeiten und vereinbarte Regeln sollten von Anfang an gegeben sein, und Medien sollten nie den Hauptbestandteil der alltäglichen Beschäftigung darstellen. Hinzu kommt die Berücksichtigung unterschiedlicher Altersgruppen, die sich auf verschiedenen Entwicklungsstufen befinden.

Feste Bildschirmzeiten vereinbaren

„SCHAU HIN! Was Dein Kind mit Medien macht“ ist eine gemeinsame Initiative des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Darauf aufbauend finden wir Orientierungen zu Bildschirmzeiten:

Alter Bilderbücher Hörmedien (Musik-CDs, -Dateien, Hörgeschichten) Bildschirmmedien (Fernsehen, Video, Computer, Spielekonsolen, Tablets, Smartphones)
0–3 Jahre
regelmäßig Bilderbücher anschauen und vorlesen
höchstens 30 Minuten
am besten gar nicht
3-6 Jahre
regelmäßig Bilderbücher anschauen und vorlesen
höchstens 45 Minuten
zusammen höchstens 30 Minuten
6–10 Jahre
regelmäßig vorlesen / lesen
höchstens 60 Minuten
zusammen höchstens 45–60 Minuten
schema

Jede Familie und jedes Kind ist einzigartig

Im Umgang mit Medien handeln Eltern nicht gleich; jede Familie und jedes Kind ist in der Handhabung mit Medien anders. Die obigen Angaben sind Empfehlungen, jedoch keine Handlungsrichtlinie. Wollen Sie keine Medien bis zu einem bestimmten Alter in ihre Familienmitte tragen, entscheiden Eltern dies selbst. Auch die eigenen Medienkompetenzen beeinflussen den Umgang mit Medien innerhalb einer Familie. Wer selbst in der Medienwelt arbeitet, wird auch sein Kind in den meisten Fällen früher und individueller an verschiedene Medienbereiche heranführen. Die Angaben in der Tabelle bieten demnach Orientierungen für unterschiedliche Altersgruppen. Doch das richtige Maß, wie viel ein Kind fernsehen darf, wie lange es mit Medien lernen und spielen darf, liegt in der beobachtenden Verantwortung der Eltern.
Die Unterschiede von Kind zu Kind sind dabei nicht von der Hand zu weisen. Familien mit mehreren Kindern haben es hier selten leicht. Unterschiedliche Altersgruppen mit verschiedenen Regeln führen häufig zur Diskussion; auch wenn der Alters- und Reifeunterschied durchaus verstanden wird, ist es schwer für jüngere Kinder, wenn ihre älteren Geschwister mehr Zeit vor Medien verbringen dürfen als sie selbst. Medieninhalte können auf Kinder grundverschieden einwirken. Mal lassen sich Kinder mehr, mal weniger stark von Medieninhalten leiten. Nicht zu vergessen können sie von den Medien auch emotional belastet werden, was durch weitere TV-Stunden nicht besser wird.

Empfehlung: Beobachten Sie Ihr Kind, vor allem in den ersten 10. Lebensjahren. Sie lernen die Gewohnheiten und Einflüsse, die Medien auf Ihr Kind haben, dabei kennen und können so stets miteinander agieren. Wirkt das eigene Kind überdreht oder überreizt nach Fernseh- oder Smartphonezeit? Wird der Fernseher vermehrt als Freizeitgestaltung eingesetzt? Vor dem Jugendalter sollten die ersten Erfahrungen gemeinsam in der Familie besprochen und gemeinsam erkundet werden. Denn im Jugendalter angekommen, ist es für viele Kinder ein Teil ihres Lebens; dann brauchen sie bereits die ersten Medienkompetenzen, auf die wir nachfolgend eingehen werden.

Wichtig: Aktivitäten wie gemeinsame Familienzeiten und gemeinsame Bewegung sollten nicht durch Medienzeiten ersetzt werden. Tägliche Bewegung sollte immer über täglicher Mediennutzung stehen, vor allem in den ersten Lebensjahren bis zum Schuleintritt. Ebenfalls sollte die Medienzeit nicht auf den Abend verlegt werden; mindestens eine Stunde vor dem Schlafengehen sollten jegliche Reize reduziert werden. Selbst wir Erwachsenen halten uns zu selten an die medienfreie Abendzeit, ein Abschalten fällt durch die visuelle Informationsaufnahme generell nicht leicht. Deshalb sollten auch eigene Fernseher im Kinderzimmer kritisch betrachtet werden (auch weil sie meist zu schwer kontrollierbaren Diskussionen über die Medienzeit führen).

Medienkompetenz

Kompetenz im Umgang mit Medien würde heißen, dass Kinder sich in der Medienwelt so verhalten, dass sie durchdacht, individuell und verantwortlich handeln und sich verhalten können. Dazu gehört auch, bewusst das eigene Wissen zu hinterfragen, Medieninhalte zu hinterfragen und sich mit der Nutzungszeit selbständig auseinandersetzen zu können. Eine solche Medienkompetenz entwickelt sich nicht von heute auf morgen. Deshalb ist es durchaus ratsam, seinem Kind bei der Entwicklung seiner Medienkompetenz unter die Arme zu greifen. Je früher Eltern und Kinder verantwortungsbewusst an die Mediennutzung herantreten, desto besser schützen sie sich vor Risiken, indem sie ihr Kind an die Hand nehmen und sich dem Alter entsprechend durch die verschiedenen Funktionen von Internet & Co. bewegen. Dabei ist das elterliche Vorbild als Leitbild unersetzlich, weshalb es auch wichtig ist, die eigene Haltung gegenüber Medien im Allgemeinen zu beachten.

Wie viel Zeit verbringe ich täglich vor dem Fernseher, Smartphone oder Computer?

Die Medienkompetenz, die Kinder zu entwickeln versuchen, hebt verschiedene Fähigkeiten in den Vordergrund, die wertvoll sind, um sich selbständig und vorbereitet im Internet zu bewegen.

Medienkompetenz heißt …

  • Medieninhalte einzuordnen und zu verarbeiten, verstehen und richtig zu interpretieren

  • Angebote und Werbung kritisch zu hinterfragen und zu beurteilen

  • Medien zum Kreativ-sein benutzen

  • Für sich selbst ein sinnvolles und interessantes Medienangebot zu finden, durchdacht auszuwählen, anstatt wahllos zu konsumieren.

Kinder dürfen Medien entdecken

Hinter den Regeln steckt aber mehr als ständige Kontrolle. Es geht um die Begleitung in eine Welt voller Möglichkeiten. Denn das Internet bietet selbstredend nicht nur Gefahr, sondern trägt auch Chancen in sich. Ein Großteil der Berufe unserer Zukunft bauen auf ein tieferes Verständnis der digitalen Welt auf, und Kinder brauchen hierfür die Möglichkeit, sich auf diese Welt vorzubereiten, oder zumindest die Wachheit, entscheiden zu können, wie sie mit Medien umgehen und wie sie diese in ihr Leben integrieren möchten. Ständige Konflikte um Medien (die meist in der Schulzeit auftreten) verhindern eher, den gemeinsamen Raum um Medienkompetenzen zu entwickeln. Es ist zumindest mit zunehmendem Alter wohl für Kinder wertvoller, dass ihre Eltern sich zu ihnen bewegen und sie in ihren Interessen zu verstehen versuchen, anstatt sich generell von dem abzuwenden, womit sich das Kind gerade beschäftigt. Damit entsteht auch im Jugendalter die offene Bereitschaft, sich immer mit den Eltern auszutauschen. Denn bereits im Jugendalter erkennen viele Jugendliche die Überforderungsgefahr, die Medien mit sich bringen. Wichtig ist, dass Eltern dennoch ihren Kindern erklären, weshalb sie bestimmte Regeln im Umgang mit Medien für wichtig erachten. Kritisches Denken ist eine sehr wichtige kognitive Fähigkeit, die uns auch dazu befähigt, nicht alles zu glauben, was wir z. B. im Internet lesen.
Im Kindergarten- und Grundschulalter heißt es jedoch erstmal, dass Kinder und Eltern die Medien gemeinsam erkunden sollten, die Angebote und Möglichkeiten begleiten, die sich in spielerischen Apps oder kindergerechten Fernsehsendungen zeigen. Im Alltag können Möglichkeiten geschaffen werden, sodass nach zunehmender individueller Einführung eines Kindes auch eine gewisse selbstständige Zeit eingeräumt werden kann.

Ausnahmen sind erlaubt, wenn Vorbereitungen getroffen werden und Eltern sich ihrer Verantwortung bewusst sind. Verschiedene Apps und Spiele fördern die Kreativität und die Konzentrationsfähigkeit eines Kindes heraus. Wenn ein 7-jähriger Junge sich 10 Minuten an einer App versuchen möchte, die von den Eltern freigegeben wurde, spricht hier nichts dagegen – solange diese in der Nähe sind und der Computer oder das Tablet familiengerecht eingerichtet wurden, sodass keine Zugänge auf andere Seiten oder Ähnliches ermöglicht wird. Die meisten Eltern stimmten einer solchen Regelung generell zu – herausfordernder wird es dann, wenn das Kind mehr Medienzeit haben möchte.

Soziale Medien fördern Kreativität
Kinder können durch Texte, Bilder und Fotos die eigenen Gefühle und Gedanken zum Ausdruck bringen. Soziale Medien fördern das dialogische Schreiben und eine produktive Mediennutzung, wie den Ausdruck eigener Gefühle und Gedanken durch Texte, Bilder oder Fotos. Eine wichtige Rolle bei der schnellen Kommunikation spielen Abkürzungen, Jugend-, Netz- und Bildsprache.
Emojis, bildhafte Darstellungen von Emotionen, Gegenständen, Menschen, Pflanzen und Tieren sind mittlerweile so relevant und präsent, dass sie auch breit diskutiert werden. Mittlerweile gibt es sie auch in verschiedenen Hautfarben und als Regenbogenfamilien. Zudem hat Facebook nach Protesten ein Smiley von „fett“ in „vollgestopft“ geändert.

Soziale Medien stärken Beziehungen
Es gibt viele positive Aspekte, wenn Kinder sich online vernetzen, und Inhalte teilen. So helfen soziale Netzwerke bei der Beziehungspflege, unterstützen das soziale Lernen und bieten die Möglichkeit, sich darzustellen, auszudrücken, sich auszutauschen und zu informieren. Neben Freundschaften können soziale Medien auch die Bindungen innerhalb von Familien stärken, etwa über eigene Familien-Chats in Messengern und Netzwerken.

Soziale Medien fördern die Identitätsbildung
Heranwachsende können soziale Netzwerke, Blogs und Messenger auch dazu nutzen, sich selbst darstellen und dabei zu testen, was bei anderen ankommt und was nicht. Diese Rückmeldungen von Gleichaltrigen sind für die Identitätsbildung wichtig. Sie vermitteln das Gefühl, zugehörig zu sein. Auch bei ausgefallenen Interessen oder Hobbys findet man online schnell AnhängerInnen, mit denen man sich austauschen kann. Auf der einen Seite winken Popularität und Anerkennung. Doch kann es auch sein, dass negative oder hämische Kommentare folgen, mit denen man umgehen können muss. Auch dabei können Eltern unterstützen, indem sie ihr Kind begleiten, ein offenes Ohr haben und Sicherheitstipps fürs Chatten geben, etwa genau zu überlegen, mit wem man was teilt.

Soziale Medien ermöglichen Engagement und bieten Hilfe
Heranwachsende können in sozialen Medien wichtige Kompetenzen erwerben: etwa Informationen zu sortieren, kritisch zu analysieren und eine eigene Haltung zu entwickeln. Über Facebook & Co. können Jugendliche sich schnell über aktuelle Nachrichten informieren. Aber auch hier sollte man kritisch bleiben und die Quellen genau prüfen, da gerade in soziale Medien Fake News kursieren.
Jugendliche können über soziale Medien auch Anteil nehmen, etwa wenn sie bei schweren Unglücken ihr Beileid ausdrücken oder einen bekannten Verstorbenen betrauern. Sie können sich dort engagieren, indem sie sich an Initiativen, Petitionen oder Spendenaufrufen beteiligen und andere darauf aufmerksam machen. In Hilfeforen wie juuuport.de oder jugend.support können sie sich bei Problemen austauschen und Unterstützung finden.

Das Medienvorbild

Eltern, aber auch ältere Geschwister können mitunter die Mediengewohnheiten der Familie beeinflussen. Was Eltern vorleben, übernehmen Kinder in aller Häufigkeit, besonders in Bezug auf den Umgang mit Medien. Wird die Familienzeit zu großen Teilen vor dem Fernseher verbracht, entsteht daraus auch für Kinder eine prinzipielle Haltung Medien gegenüber. Mit gutem Beispiel vorangehen heißt auch, seinem Kind zu zeigen, was es außerhalb der verlockenden Medienwelt gibt. Denn das kindliche Spiel ist im natürlichsten Sinne darauf ausgelegt, seine direkte Lebensumwelt zu erfühlen und zu ertasten, lange bevor es ein Verständnis für Medien benötigt.

fazit

Es ist wichtig, dass Kinder unterschiedliche Möglichkeiten der Freizeitgestaltung kennenlernen und digitale Medien nicht wahllos einsetzen. Kinder wachsen mit Bildschirmmedien auf, doch ihr Bewusstsein für dieses Thema muss noch geschärft werden. Das geschieht auch über Alternativen im realen Leben und viele Gelegenheiten, ein gesundes Selbstwertgefühl zu entwickeln und Schwierigkeiten meistern, aber Langeweile auch einmal aushalten zu können.

Quellen / Literatur

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Maren Scheurer, Claus-Peter H. Ernst & Franz Rothlauf (2016). TV Series Characters Are Almost Like Friends to Me – On the Influence of Perceived Belonging on TV Series Addiction. “Séries et Dépendance II” in Paris, 5-6 February 2016.

 

Myrtek, Michael & Scharff, Christian (2000). Fernsehen, Schule und Verhalten: Untersuchungen zur emotionalen Beanspruchung von Schülern. Bern: Hans Huber.

 

Roseberry , Sarah, Hirsh-Pasek, Kathy, Parish-Morris, Julia & Golinkoff, Roberta M. (2009). Live Action: Can Young Children Learn Verbs From Video? Child Development, 80, 1360 - 1375. Schiffer, Kathrin, Ennemoser, Marco & Schneider, Wolfgang (2002). Die Beziehung zwischen dem Fernsehkonsum und der Entwicklung von Sprach- und Lesekompetenzen im Grundschulalter in Abhängigkeit von der Intelligenz. Zeitschrift für Medienpsychologie, 14, S. 12-13. (Stangl, 2019).

Sonnleitner
Susanne Sonnleitner
Familylab-Seminarleiterin,
Naturpädagogin,
Familienpflegerin